Kleine Holzfigur eines Pinguins in einer Schale mit Sand – Sinnbild für Anderssein

Wie ein Pinguin in der Wüste

Über das Gefühl, anders in der Welt zu sein
Literarischer Auszug aus dem gemeinsam mit einer Co-Autorin entstandenen Buch „Wer bin ich, wenn ich nichts mehr muss?“

„Ich denke gerade über dein Anders-in-der-Welt-sein nach.“

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‍„Hm, oft fühle ich mich wie ein Pinguin in der Wüste, völlig deplatziert. Es gibt so vieles, was mich von anderen unterscheidet. Zum Beispiel bin ich in sozialen Situationen rasch überfordert und finde es schwierig, Beziehungen aufrechtzuerhalten. Reize nehme ich intensiver wahr als andere und ich bin viel schneller erschöpft als die Menschen um mich herum. Alles in meiner Umgebung empfinde ich sehr stark, und ich muss mich häufig zurückziehen, um das überhaupt ertragen zu können. Ich zerdenke und analysiere so viele Situationen, dass ich mich oft in einem endlosen Gedankenstrudel verliere, aus dem ich nur schwer herausfinde. Uff, und dann noch diese plötzlichen Veränderungen – sie stressen mich enorm, damit komme ich überhaupt nicht zurecht. Ich brauche Planung und Kontrolle … ach ja, meine überhöhten Ansprüche an mich selbst und die harsche Selbstkritik, wenn ich diese nicht erfülle, hätte ich fast vergessen zu erwähnen. Im Umgang mit anderen Menschen bin ich oft unglaublich unsicher, und an manchen Tagen nagen meine Selbstzweifel fast unerträglich an mir.“‍

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„Puh, das stelle ich mir wahnsinnig anstrengend vor.“‍

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„Ja, es ist total anstrengend, ich selbst zu sein! Ich versuche wirklich, in dieser Welt zu funktionieren, aber irgendwie schaffe ich’s nicht.“‍

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„Wie lange funktionierst du schon?“

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‍„Seit meiner Kindheit, da habe ich mich schon anders gefühlt.“‍

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„Das ist eine sehr lange Zeit, in der du das alles aushältst.“

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‍„Mhm, und das Einzige, was ich will, ist, verstanden und akzeptiert

zu werden. Ist das denn zu viel verlangt?“

Persönliche Anmerkung

Manche Menschen beschreiben dieses Erleben als Anderssein. Andere als Fremdsein.

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Das Bild des Pinguins in der Wüste entstand für mich in einer Begegnung mit einem autistischen Menschen. Seitdem begleitet es mich als Metapher für das Gefühl, in einer Umgebung zu sein, die nicht zu den eigenen Bedürfnissen passt.

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Für mich steht der Pinguin in der Wüste nicht nur für das Anderssein. Er macht auch sichtbar, wie belastend es sein kann, sich fortwährend an eine Umgebung anzupassen, die die eigene Art wahrzunehmen, zu kommunizieren und die Welt zu verstehen nur wenig berücksichtigt.

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Viele autistische Menschen beschreiben Erfahrungen, die sich in diesem Bild wiederfinden lassen.

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Vielleicht liegt das Problem nicht darin,

dass der Pinguin ein Pinguin ist.

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Sondern darin,

dass von ihm erwartet wird,

in der Wüste zu leben, als wäre sie für ihn gemacht.

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Und vielleicht gibt es mehr als Eis und Wüste. Schließlich leben Pinguine sogar an den Küsten Südafrikas.

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Entscheidend ist weniger, wohin jemand gehört, als unter welchen Bedingungen er gut leben und teilhaben kann.

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„Das gute Leben ist ein Prozess, kein Daseinszustand. Es ist eine Richtung, kein Ziel.“
Carl R. Rogers