Persönliche Anmerkung
Fassaden entstehen nicht aus Unehrlichkeit. Sondern aus dem Wunsch, dazuzugehören. Aus der Hoffnung, gemocht zu werden. Geliebt zu werden. Für andere bedeutsam zu sein. Oder zumindest nicht aufzufallen.
Manchmal entstehen sie auch dort, wo es sich nie sicher angefühlt hat, man selbst zu sein. Wo Anpassung nicht nur Zugehörigkeit bedeutete, sondern Schutz.
Sich an andere anzupassen gehört zum Menschsein. Wir alle richten unser Verhalten – bewusst oder unbewusst – nach Situationen, Beziehungen und sozialen Erwartungen aus. Bei manchen Menschen wird diese Anpassung jedoch so umfassend und dauerhaft, dass sie viel Kraft kostet und das Gefühl für das eigene Selbst beeinflussen kann.
Viele – aber keineswegs alle – autistische Menschen beschreiben genau solche Erfahrungen. In der Forschung wird dafür häufig der Begriff (Social) Camouflaging verwendet. Er bezeichnet verschiedene bewusste oder unbewusste Strategien, mit denen autistische Menschen versuchen, autistische Merkmale zu verbergen, soziale Unterschiede auszugleichen oder sich an die Erwartungen ihrer sozialen Umwelt anzupassen. Ausmaß, Form und Gründe des Camouflaging können dabei sehr unterschiedlich sein.
Masking wird häufig als eine Form des Camouflaging beschrieben. Gemeint ist damit vor allem das bewusste oder unbewusste Verbergen beziehungsweise Unterdrücken autistischer Verhaltensweisen. Dazu kann beispielsweise gehören, Stimming – etwa wiederholte Bewegungen, Laute oder andere repetitive Verhaltensweisen, die unter anderem der Selbstregulation dienen können – zu unterdrücken, Blickkontakt bewusst aufrechtzuerhalten oder Mimik und Gestik gezielt an soziale Erwartungen anzupassen.
Was von außen wie eine gelungene Anpassung wirkt, kann innerlich sehr viel Kraft kosten. Studien bringen ausgeprägtes Camouflaging unter anderem mit einer erhöhten psychischen Belastung, Angst, Erschöpfung, geringerem Wohlbefinden und Unsicherheit im Erleben der eigenen Identität in Zusammenhang.
Wenn Anpassung über lange Zeit Sicherheit gegeben hat, kann es verunsichern, wenn diese Orientierung plötzlich fehlt. Ohne ein Gegenüber, an dem das eigene Verhalten ausgerichtet werden kann, können Fragen entstehen:
Wie verhalte ich mich jetzt?
Was möchte ich eigentlich?
Was fühlt sich für mich stimmig an – unabhängig davon, was andere von mir erwarten?
Nicht jede Fassade lässt sich einfach ablegen. Nicht jede Anpassung ist belastend oder muss aufgegeben werden.
Doch manchmal beginnt Veränderung dort, wo ein Mensch sich Schritt für Schritt sicher genug fühlt, auch die Seiten von sich zu zeigen, die lange keinen Raum hatten.









