An Ihrer Seite
ADHS - Psychotherapie für Erwachsene
ADHS kann mit Spontaneität, Kreativität, Begeisterungsfähigkeit und einem ausgeprägten Interesse an bestimmten Themen einhergehen. Gleichzeitig können alltägliche Anforderungen viel Kraft kosten.
ADHS wird häufig vor allem mit Unruhe oder Konzentrationsproblemen verbunden. Doch die Lebensrealität ist wesentlich vielfältiger.
Aufschieben, den Überblick verlieren und Erschöpfung
Termine, Gegenstände oder wichtige Vorhaben geraten aus dem Blick. Zeitspannen können schwierig einzuschätzen sein, Prioritäten lassen sich nicht immer leicht setzen und wiederkehrende Alltagsaufgaben können unverhältnismäßig anstrengend sein.
Gleichzeitig kann die Aufmerksamkeit über lange Zeit bei etwas bleiben, das starkes Interesse weckt. Bei ADHS geht es nicht einfach um ein Zuwenig an Aufmerksamkeit. Häufig lässt sie sich schwer willentlich steuern und ist stark davon abhängig, wie interessant, neu, dringend oder emotional bedeutsam etwas gerade ist.
Sätze wie diese können das tatsächliche Erleben von Menschen mit ADHS relativieren:
„Du könntest doch, wenn du wirklich wolltest.“
„Du musst dich einfach besser organisieren.“
„Du musst besser auf deine Sachen aufpassen.“
„Jeder ist manchmal unkonzentriert.“
ADHS ist mehr als gelegentliche Vergesslichkeit, Unruhe oder Ablenkbarkeit. Einzelne ähnliche Erfahrungen kennt fast jeder Mensch. Für eine ADHS-Diagnose müssen jedoch entsprechende Symptome bereits in der Kindheit vorhanden gewesen sein, sich in mehreren Lebensbereichen zeigen und den Alltag deutlich beeinträchtigen.
Scham und Selbstzweifel nach Jahren des Kompensierens
Gerade bei Mädchen und Frauen werden ADHS-Symptome teilweise erst spät als solche erkannt. Manche haben über Jahre versucht, Schwierigkeiten durch Perfektionismus, Kontrolle, besonders hohe Anstrengung oder umfangreiche Hilfssysteme auszugleichen. Erst wenn die Anforderungen steigen oder bisherige Strukturen wegfallen, wird sichtbar, wie viel Energie dieses Kompensieren gekostet hat.
Eine späte Diagnose kann entlastend sein. Erfahrungen, die zuvor als persönliches Versagen verstanden wurden, erhalten einen neuen Zusammenhang. Gleichzeitig können Trauer, Wut oder die Frage entstehen, wie das eigene Leben verlaufen wäre, wenn die Schwierigkeiten früher erkannt und verstanden worden wären.
ADHS betrifft nicht nur Aufmerksamkeit und Organisation. Viele Menschen erleben auch intensive Gefühle, eine geringe Frustrationstoleranz oder Schwierigkeiten, emotionale Reaktionen rechtzeitig wahrzunehmen und zu regulieren. Kritik, tatsächliche oder vermutete Zurückweisung und wiederholte Erfahrungen des Scheiterns können besonders schmerzhaft sein.
Nicht selten haben Menschen mit ADHS schon früh gehört, sie seien
„zu laut“,
„zu unruhig“,
„zu chaotisch“,
„zu faul“,
„zu empfindlich“ oder
„einfach nicht bemüht genug“.
Solche Erfahrungen können das Selbstbild nachhaltig prägen. Hinter Perfektionismus, Selbstzweifeln oder großer Angst vor Fehlern verbirgt sich mitunter eine lange Geschichte des Bemühens, nicht negativ aufzufallen.
ADHS ist keine Folge mangelnder Disziplin oder fehlenden Willens. Es handelt sich um eine neurologische Entwicklungsstörung, deren Ausprägung von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist und sich im Laufe des Lebens verändern kann. Wie stark die Schwierigkeiten spürbar werden, hängt auch davon ab, welche Anforderungen eine Lebenssituation stellt und wie gut die Umgebung zu den jeweiligen Bedürfnissen passt.







