Zwei transparente Glasscheiben stehend auf einem Holztisch – Sinnbild für Personzentrierte Psychotherapie mit autistischen Menschen

Sich einer anderen Wirklichkeit annähern

Personzentrierte Psychotherapie mit autistischen Menschen als Einladung zu therapeutischer Demut

Zwischen zwei Menschen
liegt immer
eine Welt.

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Wir können sie
nicht betreten,
als wäre sie unsere eigene.

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Vielleicht werde ich nie erfahren,
wie es sich anfühlt,
genau dieser Mensch zu sein.

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Und vielleicht muss ich das auch nicht.

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Vielleicht beginnt es mit der Bereitschaft, mich berühren zu lassen.

Mich Schritt für Schritt einer Wirklichkeit anzunähern, die niemals meine eigene sein wird.

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Gerade in der Psychotherapie gewinnt diese Bereitschaft besondere Bedeutung. Sie lädt uns dazu ein, der individuellen Wahrnehmungs- und Erlebniswelt unseres Gegenübers offen zu begegnen – auch und gerade dann, wenn sie sich nicht unmittelbar aus unserer eigenen Erfahrung erschließt.

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Als nicht-autistische Therapeutin werde ich niemals vollständig wissen, wie mein autistisches Gegenüber die Welt erlebt. Dieses Nicht-Wissen anzuerkennen, ist für mich ein wichtiger Ausgangspunkt meiner therapeutischen Arbeit.

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Ich erlebe immer wieder Momente, in denen mir das Erleben meiner Klient*innen nachvollziehbar erscheint. Ich kann mich auf emotionaler Ebene einfühlen, etwas von der Stimmung meines Gegenübers wahrnehmen und in Resonanz gehen. Carl Rogers (2021) beschreibt empathisches Verstehen als ein möglichst präzises und sensibles Erfassen der Erlebnisse und Gefühle der Klient*innen und der persönlichen Bedeutungen, die damit verbunden sind. Er spricht davon, dass wir uns in die Welt des anderen einfühlen können, als ob sie unsere eigene wäre – ohne dabei den „Als-ob-Charakter“ aus den Augen zu verlieren.

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Empathie bedeutet somit nicht, mit dem Gegenüber zu verschmelzen, sondern dessen inneren Bezugsrahmen so genau wie möglich nachzuvollziehen und zugleich das Bewusstsein dafür zu bewahren, dass es die Welt des anderen ist.

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Doch wie verhält es sich in der Begegnung mit autistischen Klient*innen?‍

Gerade in der therapeutischen Beziehung mit autistischen Klient*innen erlebe ich, dass mir empathisches Verstehen nicht immer unmittelbar gelingt. Ihre Wahrnehmung der Welt – ebenso wie die Wahrnehmung des eigenen Körpers, sozialer Situationen oder auch der eigenen Person – kann sich deutlich von meiner eigenen Erfahrung unterscheiden.

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Da ich nicht wissen kann, wie es sich für mein Gegenüber anfühlt, autistisch zu sein, erschließt sich mir dieses Erleben nicht selbstverständlich aus meiner eigenen Erfahrung heraus. Becker (2015) weist darauf hin, dass es nicht nur darauf ankommt, was ein Mensch erlebt, sondern vor allem darauf, wie er es erlebt. Das subjektive Erleben bildet daher den entscheidenden Bezugspunkt für mein Verstehen.

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In der therapeutischen Arbeit mit autistischen Klient*innen bedeutet das für mich, dass Mimik, Gestik, Blickkontakt, Tonfall oder anderes beobachtbares Verhalten nicht immer zuverlässig erkennen lassen, was mein Gegenüber innerlich erlebt. Ich bin daher vorsichtig damit, äußere Signale unmittelbar als Ausdruck bestimmter Gefühle, Bedürfnisse oder innerer Zustände zu deuten.

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Umso wichtiger ist es für mich, die Person selbst als Expert*in ihrer eigenen Wahrnehmungs- und Erlebniswelt ernst zu nehmen:

• Ich höre zu.

• Ich fragen nach, statt vorschnell zu interpretieren.

• Ich überprüfe meine eigenen Annahmen und bleibe aufmerksam dafür, dass äußere Signale eine andere Bedeutung haben können, als ich zunächst vermute.

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Dazu gehört für mich auch, meine Kommunikation und den therapeutischen Rahmen an den individuellen Bedürfnissen der jeweiligen Person auszurichten – statt zu erwarten, dass sie sich an meine Art zu kommunizieren oder an vorgegebene Rahmenbedingungen anpasst.

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Auf diese Weise kann Schritt für Schritt ein gemeinsames Verständnis entstehen und eine Annäherung an eine Wirklichkeit gelingen, die nicht meine eigene ist.

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Diese Annäherung kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Eine Möglichkeit besteht darin, bewusst nachzuvollziehen, wie ein anderer Mensch eine Situation wahrnimmt und welche persönliche Bedeutung sie für ihn hat. Kognitive Perspektivenübernahme kann dabei eine wichtige Brücke zum Verstehen darstellen.

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Empathisches Verstehen bedeutet für mich dabei auch, die Grenzen meines eigenen Verstehens anzuerkennen. Unabhängig davon, ob mein Gegenüber autistisch oder nicht-autistisch ist, bleibt sein Erleben seine eigene Wirklichkeit. Ich kann mich dem Erleben eines anderen Menschen mit Offenheit, Neugier und echtem Interesse zuwenden, ohne davon auszugehen, es jemals vollständig erfassen zu können.

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Therapeutische Demut‍

Therapeutische Demut bedeutet für mich die Möglichkeiten und Grenzen des eigenen Wissens realistisch einzuschätzen. Ich bringe fachliches Wissen und Erfahrung mit, kann Orientierung anbieten, Zusammenhänge wahrnehmen, Fragen stellen und Einschätzungen einbringen. Daraus entsteht jedoch nicht der Anspruch, das Leben und die Wahrnehmung eines anderen Menschen besser zu kennen als er selbst.

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Therapeutische Demut bedeutet für mich deshalb nicht, auf Wissen zu verzichten, sondern seinen Wert und zugleich seine Grenzen zu kennen.

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Fachliches Wissen über Autismus ist für meine therapeutische Arbeit unverzichtbar. Es kann mir Orientierung geben und mich dabei unterstützen, einen therapeutischen Rahmen zu gestalten, der den individuellen Bedürfnissen autistischer Klient*innen möglichst gerecht wird.

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Gleichzeitig erinnert mich die personzentrierte Haltung daran, dass theoretisches Wissen allein noch nicht bedeutet, einen Menschen in seinem Erleben zu verstehen. Entscheidend ist nicht nur, was ich über Autismus weiß, sondern wie dieser eine Mensch sich selbst und seine Welt erlebt und welche Bedeutung seine Erfahrungen für ihn haben.

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Nicht der Autismus sitzt mir gegenüber, sondern ein Mensch mit seiner eigenen Geschichte, seiner eigenen Erlebniswelt und seinem persönlichen inneren Bezugsrahmen.

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In der Autismus-Community findet sich häufig der Satz:

„Kennst du eine autistische Person, kennst du genau eine autistische Person.“

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Für meine therapeutische Arbeit bedeutet das, auch die eigene Sichtweise immer wieder zu hinterfragen:

• Welche Vorstellungen über Autismus bringe ich mit?

• Welche Verhaltensweisen interpretiere ich vielleicht vorschnell?

• Welche Vorannahmen könnten mein Verstehen beeinflussen?

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Nicht alle Vorannahmen sind mir unmittelbar bewusst. Umso wichtiger sind Selbstreflexion, Intervision und Supervision sowie die Bereitschaft, die eigenen Deutungen im therapeutischen Prozess zu überprüfen.

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Immer wieder erzählen mir autistische Klient*innen, dass ihnen gesagt wurde:

„Sie können nicht autistisch sein. Sie haben doch Freundschaften.“

„Sie halten Blickkontakt.“

„Sie sind doch empathisch.“

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Solche Aussagen sagen mitunter mehr über bestehende Vorstellungen von Autismus aus als über den Menschen, der uns gegenübersitzt.

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Für mich bedeutet therapeutische Demut deshalb auch, meine Annahmen korrigieren zu können.

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Ich weiß einiges über Autismus.

Aber ich bin nicht die Expertin für den Menschen, der in meine Praxis kommt.

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Das ist er selbst.

Beziehung auf Augenhöhe‍

Auch wenn mir Augenhöhe in der therapeutischen Beziehung wichtig ist, bleibt diese Beziehung für mich nicht vollkommen symmetrisch. Ich bringe fachliches Wissen mit, gestalte wesentliche Teile des äußeren Rahmens und erhalte Einblick in sehr persönliche und verletzliche Bereiche des Lebens meiner Klient*innen. Auch diagnostische Einordnungen können Einfluss darauf haben, wie ihr Erleben verstanden und welche weitere Behandlung empfohlen wird.

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Mit meiner Rolle sind daher Einfluss, Verantwortung und ein Machtgefälle verbunden. Therapeutische Demut bedeutet für mich, mir dessen bewusst zu bleiben und sorgsam damit umzugehen.

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Augenhöhe heißt für mich nicht, die unterschiedlichen Rollen in der therapeutischen Beziehung zu verleugnen. Sie zeigt sich vielmehr darin, wie ich mit diesen Unterschieden umgehe. Ich möchte meine eigene Deutungsmacht hinterfragen und nicht vorschnell davon ausgehen, zu wissen, was eine Erfahrung „eigentlich“ bedeutet. Eine Diagnose soll für mich nicht festlegen, wer ein Mensch ist. Ebenso wenig möchte ich meine eigenen Werte, Vorstellungen oder Lebensentwürfe zum Maßstab dafür machen, was ein gelungenes Leben oder eine hilfreiche Entwicklung ausmacht.

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Was aus meiner Perspektive wie Stillstand, Rückschritt oder eine wenig konstruktive Entscheidung erscheinen mag, kann aus der Lebensgeschichte und dem inneren Bezugsrahmen eines anderen Menschen durchaus stimmig oder notwendig sein.

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Therapeutische Demut bedeutet für mich deshalb auch, die Selbstbestimmung meines Gegenübers zu achten und darauf zu vertrauen, dass Entwicklung ihre Richtung nicht von mir erhalten muss. Meine Aufgabe ist es, Entwicklung zu begleiten und Bedingungen zu schaffen, die sie begünstigen. Ich kann sie aber weder herstellen noch vorwegnehmen oder bestimmen, wohin sie führt.

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Demut gegenüber den eigenen Grenzen

Therapeutische Demut richtet sich für mich nicht nur auf mein Gegenüber. Sie betrifft auch den Umgang mit mir selbst. Ich kenne den Wunsch, helfen zu wollen. Und vielleicht manchmal auch den Anspruch, helfen zu müssen.

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Gerade in schwierigen oder stagnierenden Therapieprozessen kann daraus eine große innere Belastung entstehen. Dann frage ich mich, ob ich genug getan, etwas übersehen oder etwas anderes hätte tun können.

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Diese Fragen sind wichtig. Sie ermöglichen mir, mein eigenes Handeln zu reflektieren, Unterstützung in Anspruch zu nehmen und meine therapeutische Haltung weiterzuentwickeln. Gleichzeitig können sich hinter diesen Fragen auch überhöhte Erwartungen an meine eigene Wirksamkeit verbergen. Denn wenn ich mich für jede Entwicklung verantwortlich mache, schreibe ich mir damit auch eine Macht zu, die ich nicht habe.

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Die Grenzen meiner therapeutischen Möglichkeiten anzuerkennen, gehört für mich deshalb ebenfalls zu therapeutischer Demut. Psychotherapie kann entlasten, neue Erfahrungen ermöglichen und Veränderung begleiten. Sie kann aber nicht jede Belastung aufheben. Gesellschaftliche Barrieren, Diskriminierung, Verluste, körperliche Erkrankungen oder belastende Lebensbedingungen lassen sich durch eine therapeutische Beziehung nicht ungeschehen machen.

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Eine Haltung therapeutischer Demut kann für mich deshalb auch zur Selbstfürsorge beitragen. Sie hilft mir, Verantwortung ernst zu nehmen, ohne mich für alles verantwortlich zu machen. Eigene Fehler anzuerkennen, ohne von mir zu erwarten, keine machen zu dürfen. Nachzufragen, Supervision in Anspruch zu nehmen und anzuerkennen, wenn eine andere Fachperson möglicherweise hilfreicher sein könnte.

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Dazu gehört für mich auch auszuhalten, dass ich manchen Menschen nur begrenzt helfen kann.

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Nicht jede ausbleibende Veränderung bedeutet, dass eine Therapie gescheitert ist. Nicht jede Krise lässt sich verhindern. Nicht jeder Schmerz kann aufgelöst werden. Meine Aufgabe besteht darin, einen Menschen auch dort zu begleiten, wo sich etwas nicht oder noch nicht verändern lässt.

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Dabei müssen Pausen oder scheinbarer Stillstand für mich nicht bedeuten, dass therapeutisch nichts geschieht. Nicht jeder Moment, in dem ich nicht weiß, was hilfreich wäre, verlangt nach einer Intervention. Manchmal bedeutet es für mich, die eigene Unsicherheit oder Hilflosigkeit auszuhalten und darauf zu vertrauen, dass etwas in Bewegung sein kann, ohne dass ich es bereits erkennen muss.

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Therapeutische Demut bewahrt mich dabei vielleicht vor zwei Extremen: vor der Vorstellung, alles bewirken zu können, und vor der Resignation, ohnehin nichts zu bewirken.

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Dazwischen liegt für mich ein realistischerer Raum: ein Raum, in dem ich mein Wissen und meine Fähigkeiten zur Verfügung stellen und Verantwortung für meinen Teil der therapeutischen Beziehung übernehmen kann, ohne mich selbst zum Mittelpunkt des Veränderungsprozesses zu machen.

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Demut im Verstehen

Zur therapeutischen Demut gehört für mich, nicht alles verstehen und erklären zu müssen. Nicht für jedes psychische Leiden gibt es die eine Ursache, die es zu finden gilt. Veränderung lässt sich ebenso wenig immer eindeutig erklären. Im therapeutischen Prozess können sich Symptome verändern oder zurückgehen, der Leidensdruck kann geringer werden oder es kann sich etwas lösen, ohne dass sich im Nachhinein genau bestimmen lässt, warum oder wodurch dies geschehen ist.

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Vielleicht ist es nicht immer notwendig, eine Erklärung dafür zu finden. Mir ist wichtig, offen für das zu bleiben, was sich entwickelt, selbst wenn ich es nicht vollständig verstehe. Nichtwissen bedeutet für mich nicht zwangsläufig, dass etwas fehlt. Es kann vielmehr Ausdruck einer Haltung sein, die anerkennt, dass sich nicht alles im Voraus wissen oder verstehen lässt.

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Nicht:

„Ich weiß, was Sie meinen.“

Sondern:

„Wie haben Sie die Situation erlebt?“

Nicht:

„Ich kenne dieses Gefühl.“

Sondern:

„Wie fühlt es sich für Sie an?“

Nicht:

„Ich weiß, was für Sie richtig ist.“

Sondern:

„Was könnte sich für Sie stimmig anfühlen?“

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Vertrauen, das ich borgen kann

Das Vertrauen, das mir Menschen in der Psychotherapie entgegenbringen, berührt mich immer wieder. Sie lassen mich an Ängsten, Verletzungen, Hoffnungen und Widersprüchen teilhaben und erlauben mir, sie für eine bestimmte Zeit zu begleiten.

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Lange habe ich mich in meiner therapeutischen Arbeit gerne als eine Art stellvertretende Hoffnung verstanden. Wenn ein Mensch selbst gerade keine Hoffnung mehr spüren konnte, wollte ich sie für eine Zeit für ihn mittragen.

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Irgendwann habe ich gemerkt, wie viel Verantwortung ich damit übernehme – und auch, wie viel ich mir selbst damit zumute.

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In einem Seminar gab mir eine Ausbilderin einen Satz mit, der mich seither begleitet: „Ich borge dir das Vertrauen, das ich in dich habe. Und wenn du es nicht mehr brauchst, gibst du es mir wieder zurück.“

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Dieser Gedanke fühlt sich für mich heute stimmiger an. Ich muss die Hoffnung eines anderen Menschen nicht für ihn tragen. Aber ich kann ihm mein Vertrauen leihen, wenn sein eigenes gerade nicht spürbar ist.

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Vielleicht liegt auch darin therapeutische Demut: etwas von mir zur Verfügung zu stellen, ohne es für den anderen übernehmen zu müssen.

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Ich darf ein Stück des Weges mitgehen.

Nicht voraus.

Nicht anstelle des anderen.

Sondern an seiner Seite.

„Das gute Leben ist ein Prozess, kein Daseinszustand. Es ist eine Richtung, kein Ziel.“
Carl R. Rogers