Persönliche Anmerkung
Das Gefühl, anders zu sein, entsteht nicht allein im Menschen. Es entsteht auch in der Begegnung mit einer Welt, die bestimmte Vorstellungen davon hat, was „normal“ ist.
Viele autistische Menschen erleben ihre Art wahrzunehmen, zu fühlen oder mit der Welt in Beziehung zu treten nicht als Problem. Belastend wird es häufig dann, wenn genau diese Art des Erlebens als ungewöhnlich, unpassend oder falsch bewertet wird.
Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, welche Erwartungen ihm begegnen – und ob diese überhaupt Raum für unterschiedliche Arten des Menschseins lassen.
Vielleicht beginnt Verstehen genau dort: nicht mit der Frage, wie ein Mensch besser in die Welt passen kann. Sondern damit, wie Beziehungen, Angebote und gesellschaftliche Rahmenbedingungen so gestaltet werden können, dass unterschiedliche Arten zu sein ihren Platz haben.
In der psychotherapeutischen Beziehung möchte ich einen Raum schaffen, indem Menschen sich zeigen dürfen, ohne sich erklären oder verstellen zu müssen.
Ich begleite Klient*innen im Diagnostikprozess und erlebe, wie unterschiedlich eine Autismus-Diagnose aufgenommen werden kann. Manche empfinden zunächst Erleichterung. Sie begegnen sich selbst mit mehr Nachsicht und finden Worte für Erfahrungen, die sie lange nicht einordnen konnten.
Gleichzeitig trauern viele um das, was so lange schwer war. Um Jahre, in denen sie sich angepasst, an sich gezweifelt oder mit Depressionen, Angststörungen oder Erschöpfung gelebt haben, ohne zu verstehen, warum selbst alltägliche Dinge oft so anstrengend waren.
In der Psychotherapie kann es dann darum gehen, die Diagnose in die eigene Lebensgeschichte einzuordnen.
Welche Erfahrungen lassen sich dadurch besser verstehen?
Welche vielleicht auch nicht?
Und welche Bedeutung hat die Diagnose heute für das eigene Leben?
Sie wird dadurch nicht zu einer endgültigen Antwort, sondern zu einem Bezugspunkt, der helfen kann, sich selbst besser zu verstehen – ohne dabei das gesamte Selbstbild zu bestimmen.









