Persönliche Anmerkung
In meiner psychotherapeutischen Arbeit begegnen mir immer wieder Menschen, die sich fragen, ob ihr Leid überhaupt „ausreicht“, um eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. Manche entschuldigen sich fast dafür, dass sie gekommen sind. Andere erzählen ihre Geschichte nur zögerlich, weil sie befürchten, ihre Sorgen seien nicht wichtig genug oder andere hätten viel Schlimmeres erlebt.
Mich berührt immer wieder, wieviele Menschen gelernt haben, das eigene Erleben kleinzureden oder infrage zustellen. Gleichzeitig glaube ich, dass es gute Gründe dafür geben kann, warum jemand das eigene Leid relativiert, sich damit zurückhält oder unsicher ist, ob das eigene Erleben überhaupt Raum haben darf. Auch diese Unsicherheit kann in der Therapie ihren Platz haben. Ich möchte einen Menschen nicht davon überzeugen, anders über sein Erleben zu denken, sondern ihm so begegnen, wie er gerade da ist.
Ich möchte gemeinsam verstehen, wie sich das Leben für den jeweiligen Menschen anfühlt. Schmerz braucht keinen Vergleich, um ernst genommen zu werden. Niemand muss sein Erleben erst rechtfertigen oder beweisen, um Unterstützung zu erhalten.
Auch deshalb habe ich diesen Artikel geschrieben. Vielleicht kann allein das Wissen darum die Hemmschwelle, eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, ein wenig kleiner machen. Und vielleicht gibt es etwas mehr Sicherheit, schon vor dem Erstgespräch zu wissen:
Auch die Unsicherheit, ob das eigene Leid „genug“ ist, darf mitgebracht werden.









