Glasprisma auf einem Holztisch erzeugt einen Regenbogen-Lichtstrahl

Auf deiner eigenen Frequenz

Vom Wahrnehmen, Rückzug und Begegnen

Du darfst leise sein –
und trotzdem gehört werden.

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Du darfst Pausen brauchen.

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Du darfst gehen,

wenn es zu viel wird.

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Du darfst fühlen –
ohne dich erklären zu müssen.

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Du darfst warten,

bis es stimmig ist.

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Du musst nicht schneller werden,

nur weil andere es sind.

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Du musst nicht lauter sein,

nur weil es erwartet wird.

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Du darfst hier sein –
auf deiner eigenen Frequenz.

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Du darfst anders gestimmt sein.

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Und bleiben.

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Für autistische Menschen kann Rückzug eine Möglichkeit sein, bei sich selbst zu bleiben und wieder Kraft für die Begegnung mit der Welt zu finden.

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Manchmal wird das Außen zu viel. Zu viele Eindrücke. Zu viele Anforderungen. Zu viel, worauf reagiert werden muss. Stille kann dann guttun. Sie kann Schutz und Selbstfürsorge bedeuten oder einfach den Wunsch, für einen Augenblick nichts erklären, beantworten oder leisten zu müssen.

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Doch nicht jede Stille erzählt dieselbe Geschichte. Sie kann ebenso mit Erschöpfung, Trauer oder einer Depression verbunden sein. Was Rückzug für einen Menschen bedeutet, lässt sich deshalb nicht von außen ablesen.

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Die Art, die Welt wahrzunehmen und in ihr zu sein, kann sich für autistische Menschen anfühlen wie eine andere Frequenz – eine Frequenz, auf die das Gegenüber nicht immer unmittelbar eingestimmt ist.

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Reize können intensiver, abgeschwächt oder auf eine andere Weise wahrgenommen werden. Einzelne Sinneseindrücke können dabei besonders stark in den Vordergrund treten. Geräusche, Licht, Berührungen oder Gerüche können so präsent werden, dass anderes kaum noch Raum bekommt.

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Auch im zwischenmenschlichen Kontakt zeigen sich Unterschiede: darin, was wahrgenommen wird, wie etwas verstanden und ausgedrückt wird und wie Menschen aufeinander reagieren. Unausgesprochene Erwartungen, mehrdeutige Botschaften oder soziale Regeln können zusätzliche Anstrengung bedeuten. Klarheit und Direktheit können deshalb entlastend sein.

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Vielleicht müssen wir in einer Begegnung nicht dieselbe Frequenz haben. Vielleicht reicht es, für einen Moment bei der Frequenz des anderen zu verweilen. Nicht sofort zu deuten oder zu bewerten, sondern zuzuhören und neugierig auf das zu bleiben, was sich zeigt.

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So kann ein gemeinsamer Raum entstehen, in dem Unterschiedlichkeit sein darf, ohne dass jemand sich selbst verlassen muss, um angenommen zu werden.

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Du bist hier. Und ich auch.

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Das Bild der Frequenz stammt von einem autistischen Menschen, der sein Erleben mir gegenüber einmal mit den Worten „auf einer anderen Frequenz sein“ beschrieb. Ich verwende es hier als eine mögliche Annäherung – nicht als allgemeingültige Beschreibung autistischen Erlebens.

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„Das gute Leben ist ein Prozess, kein Daseinszustand. Es ist eine Richtung, kein Ziel.“
Carl R. Rogers